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Predigt über Jesaja 40, 26-31 zum Sonntag Quasimodogeniti am 19.04.2020

„Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht müde werden“

Jesaja 40, 1, 27 – 31

Ihr Lieben!

Ostern haben wir gerade gefeiert, ein wunderbares, zartes Fest voller Kraft und Lebensfreude. Ja, die Osterbotschaft kennt keine geschlossenen Türen – sie will einfach zu mir hin, in mein Herz, mich aufbauen, stärken, trösten und herauslocken aus meiner Traurigkeit. Und sie hat es wieder geschafft. Was für einen Zuspruch habe ich vernommen: „Der Herr ist auferstanden, ja er ist wahrhaftig auferstanden!“

Ja, ich gebe es offen zu, ich war und bin ein bisschen traurig. Die Kirche ist geschlossen und es ist kein Ende der Pandemie in Sicht. Die Geschäfte werden wieder geöffnet – ja, das ist ganz schön – aber ich möchte Euch sehen! Einkaufen – das ist nicht mein primäres Bedürfnis, natürlich es ist wichtig für die Wirtschaft, aber meine Konfis, die Gemeinde, die Chöre hören und nicht zuletzt meine Freundinnen und die Familie treffen, das wünsche ich mir.

Geduld ist nötig, langer Atem, tiefes Durchatmen – und beides aufeinander abstimmen – die freudige Osterbotschaft und das noch Warten können ohne Frust.

Und genau davon redet die Lesung aus dem AT für den heutigen Sonntag – wie für uns geschrieben.

„Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden, Jünglinge werden müde und matt, Männer straucheln und fallen, aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügel wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Worte aus dem Propheten Jesaja 40 – es war mein Konfirmationsspruch. Dieses Wort habe ich mir schon unzählige Male vorgesagt, wenn ich Geduld brauchte, Gottvertrauen, neue Kraft… dann hab ich mir dieses Wort in Erinnerung gerufen. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft … wenn ich also etwas abgebe von meinem Denken, ich müsse alles im Griff haben, wenn ich einfach ein bisschen mehr Vertrauen habe, und ich mich betend an Gott wende, dass er bei mir ist an jedem neuen Tag mit seiner Liebe, dann werde ich laufen – auch in dieser Corona Krise – und durchhalten und nicht müde werden. Auch nicht in drei Wochen… auch nicht, wenn weitere Pläne in den Wind geschlagen werden müssen…ich kann immer noch laufen.

Von neuer Kraft spricht der Prophet. Ja, und die kann ich wirklich gebrauchen für die nächsten Wochen.

„Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft“ heißt es.

Luther hat an dieser Stelle mit „harren“ ein altes deutsches Wort gebraucht, dessen Sinn uns etwas verloren gegangen ist: „Aber die auf den Herrn harren…“ Es geht beim „Harren“ und „Ausharren“ um eine innere Gespanntheit, also nicht um ein „sich-hängen-lassen“. „Harren“ – d.h. durchaus nicht, sich kraftlos auf dem Sofa niederzulassen. Im Hebräischen bedeutet das Wort: “ … wie ein Spinnennetz in gespannter Aufmerksamkeit ausgebreitet sein“.

Mir gefällt das – meine Aufmerksamkeit wie ein großes Spinnnetz ausbreiten.
Und dann will ich leben aus dieser Zusage: „Die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Es war mein Konfirmationsspruch. Heute, fast 40 Jahre später, geht mir dieses Wort immer wieder zu Herzen. Ich bin mir gewiss, euch und Ihnen geht es auch. Gott möge uns das schenken, dass die alten, weisheitlichen, prophetischen Worte uns neue Kraft schenken. Amen

Die Kollekte ist vorgesehen für zwei Projekte im Sprengel Hamburg und Lübeck:

  1. FLOW–FürFlüchtlinge!OrientierungundWillkommenskultur–dagehtesumjungeFlüchtlinge im Alter zwischen 16 und 30 Jahren.
  2. Die kirchliche Beratungsstelle „fluchtpunkt“ benötigt Hilfe, damit Dolmetscher für dieBeratung und Betreuung besonders schutzbedürftiger Geflüchteter hinzugezogen werden können. „fluchtpunkt“ bietet Rechtshilfe für geflüchtete Menschen.

Sie dürfen Ihre Kollekte überweisen auf das Konto der Kirchengemeinde Lemsahl-Mellingstedt IBAN DE56 2005 0550 1056 2123 33

oder in einem Briefumschlag im Kirchenbüro abgeben. Vergelt’s Gott!

Pastorin Susanne von der Lippe, Lemsahl-Mellingstedt