DAILY FOR FUTURE – Auf ein Wort

 Ein Kommentar von Pastor Richard Tockhorn

Seit fast einem Jahr ist in aller Welt eine Bewegung im Gange, die etwas verändern möchte. Die damals 15-jährige Schwedin Greta Thunberg hat mit einem erst täglichen, später wöchentlichen

Schulstreik eine
weltweite Bewegung ausgelöst, „Fridays for future“. Auf einmal gehen wieder junge Menschen auf die Straße, um für ihre Zukunft zu kämpfen. Bilder, die wir zuletzt aus den 80er Jahren kannten, als sich junge Menschen in großer Angst um die Zukunft unseres Planeten in der Friedensbewegung und an Anti-Kernkraftdemonstrationen beteiligten. Man kann das nicht so verallgemeinern, aber in den Jahren zwischen damals und heute schien sich die jüngere Generation eher mit sich selbst zu beschäftigen.

Mit der eigenen Karriere, mit dem persönlichen Konsum. Da nicht mehr mithalten zu können, waren die bestimmenden Ängste. Da trat die Sorge um die Umwelt, um den Frieden und um soziale Gerechtigkeit deutlich in den Hintergrund. Mit diesen Demonstrationen verändert sich noch nicht gleich das Klima. Zunächst einmal stellen die Jugendlichen Forderungen an die Politik. Diese hört aufmerksam und wertschätzend zu, aber wirkliche Veränderungen sind nicht in Sicht. Aber je länger sich die Jugendlichen mit diesen Fragen beschäftigen, desto mehr wird auch ihnen bewusst: handeln müssen auch wir. Ich möchte nicht wissen, welche Diskussionen in den Familien in diesen Wochen geführt wurden, ob es denn nun doch eine Flugreise in den Sommerferien sein soll, oder ob es andere Formen des Urlaubs gibt, die klimaverträglicher sind. Auf einmal kommt ins Bewusstsein, wie viel sinnlose Verpackung, wieviel Plastik in unserem Alltag verwendet wird, und es entstehen kreative Ideen, wie das in Zukunft auch anders gelöst werden kann. So etwas können wir mit unserem Konsum steuern.

Eine Generation, die oft den Hang zur Oberflächlichkeit gezeigt hat, entdeckt plötzlich die Nachhaltigkeit. Gewiss, es ist im Moment auch eine Mode, wenn so viele mitmachen, dann bin ich auch dabei. So finden durch die sozialen Netzwerke viele junge Menschen zusammen. Und es wird sich herausstellen, wer diese Fragen wirklich noch weiter bewegt, wenn die mediale Aufmerksamkeit ein bisschen abgeebbt ist. Aber im Moment ist diese Bewegung ein Erfolg, denn es ist nicht nur eine Frage an die Jugendlichen. Auch wir Erwachsene müssen uns dazu verhalten. Eltern, Lehrer, die Verantwortlichen in den Schulbehörden und in der Politik. Sollen wir anerkennend das Engagement bewundern, das ungebrochen ist, selbst wenn der Freitag in die Ferienzeit fällt oder die Demonstration erst am Nachmittag beginnt? Oder müssen wir nicht auf die Einhaltung von Recht und Ordnung pochen? Und dazu gehört nun einmal die Schulpflicht als eine wichtige Säule unseres Bildungssystems. Wo kämen wir hin, wenn jeder selbst entscheiden könnte, was er wichtiger findet und den Schulbesuch ins Belieben setzt?

Ich muss gestehen, dass ich in dieser Abwägung keine eindeutige Antwort weiß. Bildung und Umweltschutz sind zwei hohe Werte, die man nicht gegeneinander ausspielen darf. Auch wir Erwachsene werden herausgefordert und hinterfragt. Warum tut ihr nicht genug? Ihr wisst das doch auch. Das Thema und die Kenntnisse, was unser Klima bedroht, sind ja nicht neu. Diese Fragen unserer Kinder erinnern mich an die Fragen, die meine Generation unseren Eltern über ihr Verhalten in der NS-Zeit gestellt hat. Viele aus der damaligen Elterngeneration haben damals zu den Fragen geschwiegen, haben sie von sich gewiesen und Verantwortung geleugnet. Letztendlich blieben sie ihr Leben lang in diesen Fragen gefangen. Diesen Fehler sollten wir nicht wiederholen.

Es geht um die Zukunft für diese Erde, aber auch um unsere ganz persönliche Zukunft.

Dass unser Leben eine Zukunft und einen Sinn hat und nicht nur ein Spielball ist im Try-and- Error der Evolution, ist eine Grundaussage auch unseres christlichen Glaubens. Deshalb ist es gut, für diese Zukunft zu leben und sich zu engagieren, nicht nur freitags, sondern jeden Tag.